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11.09.2008
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MARKENPIRATERIE

Produkt- und Markenpiraterie verursachen Schäden von 35 Milliarden Euro


© markenverband.de
Den europäischen Konsumgüterherstellern entsteht durch Produkt- und Markenpiraterie jährlich ein Schaden von rund 35 Milliarden Euro, das entspricht etwa zwei Prozent ihres gesamten Jahresumsatzes. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, die mit Unterstützung des Markenverbandes erstellt wurde.

Darin wurden 2.500 europäische Verbraucher zu ihrer Einstellung und 27 europäische Konsumgüterhersteller zu den Risiken durch Plagiate befragt. Nach Einschätzung der befragten Unternehmen entwickelt sich die Produkt- und Markenpiraterie zu einer ernsten Bedrohung. Zwei Drittel der befragten Unternehmen sind regelmäßig von Produktfälschungen betroffen.

Zollbeamte der EU-Mitgliedstaaten haben 2007 mehr als 79 Millionen Artikel nachgeahmter und gefälschter Waren sichergestellt. Hersteller aller Produktgruppen erwarten für die kommenden Jahre eine weitere Zunahme der Bedrohung.

Produkte werden längst nicht mehr nur in den Segmenten Bekleidung, Accessoires, Kosmetik und Körperpflege gefälscht. Produktpiraten greifen zunehmend auch Unternehmen der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie an. In diesen Segmenten ist bereits jedes zweite Unternehmen mit Fälschungen konfrontiert. Markenproduzenten verlieren durch den Handel mit Plagiaten nicht nur Umsatz. Fälschungen, die nicht als solche erkannt werden, beschädigen außerdem das Image von Unternehmen und Marke.

Jeder vierte befragte Verbraucher hat bereits Plagiate gekauft. Der Kauf von gefälschten Markenprodukten ist weitgehend gesellschaftlich akzeptiert: Neun von zehn Verbrauchern sehen durch den Kauf einer Fälschung ihr Ansehen bei Freunden und Verwandten nicht gefährdet. „Unsere Studie zeigt, dass immer mehr Menschen ganz gezielt Plagiate kaufen, obwohl sie sich der möglichen Gefahren durchaus bewusst sind“, sagt Thomas Harms, Partner bei Ernst & Young und Leiter der Branchengruppe Consumer Products.

Immerhin rechnen 67 Prozent der befragten Verbraucher mit Unfallrisiken, hervorgerufen durch die Verarbeitung minderwertiger Materialien. Schäden für ihre Gesundheit schließen 61 Prozent der Befragten nicht aus, 48 Prozent erwarten finanzielle Risiken. Ferner sind sich 74 Prozent der befragten Verbraucher bewusst, dass in die Herstellung und den Vertrieb von gefälschten Produkten kriminelle Banden involviert sind, und 79 Prozent der Befragten sind sich im Klaren darüber, dass Arbeits- und Umweltbedingungen vernachlässigt werden. Trotz des Bewusstseins verführt der günstige Preis des „falschen Schnäppchens“ zum Kauf.

„Die Zahlen machen deutlich, dass eine umfassende Aufklärung der Verbraucher entscheidender Hebel für die Bekämpfung von Marken- und Produktpiraterie bleibt. Gerade jüngere Menschen müssen für das Thema sensibilisiert werden“, sagt Christoph Kannengießer, Hauptgeschäftsführer des Markenverbandes. Dies fordern auch 70 Prozent der befragten Unternehmen. Genauso wichtig ist ihnen ein schärferes Strafrecht: „Es ist dringend erforderlich, die Abschreckung der Piraten durch eine Verschärfung der strafrechtlichen Sanktionen zu erhöhen. Bislang stehen die wirtschaftlichen Vorteile der Herstellung und des Handels mit Plagiaten in keinem Verhältnis zum Risiko, das die Täter eingehen. Die Politik muss hier zügig handeln und beispielsweise Mindeststrafen einführen“, so Kannengießer.

Um sich vor Produkt- und Markenpiraterie besser zu schützen, müssen auch die Konsumgüterhersteller den Schutz ihrer Marke selbst systematischer organisieren. So hat zwar die Mehrzahl der europäischen Markenproduzenten umfangreiche Maßnahmen zur Abwehr von Plagiaten ergriffen. Doch handelt es sich zumeist um auf wenige Abteilungen beschränkte Einzelmaßnahmen, die in den Unternehmensabläufen kaum verankert sind: “Für einen erfolgreichen Markenschutz sollten die Einzelmaßnahmen in einem Prozess verbunden und kontinuierlich auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Dieser Prozess sollte fester Bestandteil des Risikomanagements werden“, sagt Peter Schommer, Partner bei Ernst & Young und Leiter der Branchengruppe Retail & Wholesale.

Trotz der hohen Betroffenheit nehmen die Hersteller bislang überwiegend noch keine systematische Bewertung der durch Produkt- und Markenpiraterie hervorgerufenen Schäden vor. Auch ist das Management der Risiken durch Produkt- und Markenpiraterie häufig nicht professionell genug: Zwar sind strategische Entscheidungen zum Markenschutz in 77 Prozent der befragten Unternehmen inzwischen Chefsache. Für deren Umsetzung sind aber zumeist immer noch einzelne Abteilungen – in aller Regel die Rechtsabteilung – zuständig: 72 Prozent der Unternehmen haben juristische Maßnahmen zum Schutz der Marke bereits umgesetzt. Für einen wirksamen und umfassenden Schutz vor Plagiaten reicht das aber nicht aus: „Wer es den Fälschern wirklich schwer machen möchte, muss die gesamte Wertschöpfungskette einschließlich Vertrieb im Blick behalten. Sonst ist zwar das Schiff gut gesichert, aber der Zugang stünde den Piraten immer noch weit offen“, sagt Schommer.


Quelle: www.markenverband.de


  



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